Warum nicht mal wieder Dresden?

Der Dresden Race Day gehörte früher zu meinen Lieblingsrennen, sehr anspruchsvoll, schön organisiert und recht gut besucht.
Aufgrund einiger Gängelungen und Auflagen seitens der sächsischen Behörden wurde das Rennen seit 2009 um die berüchtigte Bobbahn mit 27 % Steigung, ca. 20 km Strecke und 500 Höhenmetern beraubt.
Nun also die kastrierte 2011er Version mit 1100 Höhenmetern auf der 100 km Distanz.

Nachdem ich aufgrund von Zeitmangel in diesem Jahr so gut wie gar keine Rennen fahren konnte - sogar Rad am Ring konnte ich trotz aller Bemühungen nicht in Angriff nehmen - entschloss ich mich kurzfristig in Dresden teilzunehmen. Wetter schön, der frühere Eindruck einer Massenveranstaltung ist verflogen; alles etwas kleiner aber nicht minder gut organisiert. Die nicht immer gern gesehene, aber berüchtigte Polizeipräsenz in der sächsischen Hauptstadt bei Veranstaltungen aller Art war auch heute anzutreffen, das hebe ich ausnahmsweise mal positiv hervor. Selten habe ich solch ein Aufgebot an Begleitmotorrädern und Streckenposten erlebt.
Zur besten Mittagszeit ging es auf die Strecke, die ganz großen Teams sammeln lieber Punkte für den Cycling Cup, dabei waren aber die im Osten bekannten Mannschaften von Picardellics Dresden, RK Cottbus, Team Westpoint aus Berlin und nicht zuletzt der "RSV Werner Otto" aus meinem Berliner Heimatbezirk. Der Namensgeber und ehemaliger Weltmeister war auch am Start.
Das Streckenprofil kam mir entgegen, die ersten 30 km einrollen auf flachem bzw. leicht ansteigendem Terrain. Dann 50 km bergig und die letzen 20 km bergab gen Dresden.
Ich hielt mich konsequent unter den ersten 30 Fahrern, nach km 33 dann eine plötzliche scharfe Linkskurve und ebenso plötzliche 11 %ige Steigung; das Rennen hatte begonnen. Binnen Sekunden zerfaserte das Hauptfeld, vor mir bildete sich zwei ca. 10 köpfige Gruppen, die mich schnell abhängten. Auf dem Gipfel des Anstieges fanden sich in meinem Dunstkreis etwa 12 Fahrer zusammen. Gemeinsam nahmen wir nun die (sehr schnellen) Abfahren und die weiteren Gipfel. Das vorab ausgehändigte Höhenprofil verschwieg allerdings die zahlreichen zum Teil sehr ekligen Rampen.
Unsere Zweckgemeinschaft blieb zusammen bis Dresden, etwa 3 km vor dem Ziel fand der Veranstalter noch auf einer Strecke von 1000 m grobes Kopfsteinpflaster über das er uns jagen lies. Das sprengte unser bis dahin homogenes Grüppchen. Tempo hochhalten und die Finger am Griff verkrampfen. Zusammen mit fünf ebenfalls hämorrhoidenlosen Fahren ging es kurz darauf über den Zielstrich.
Nicht gestürzt, Rad aber trotzdem kaputt: Kurz nach Zielankunft folgte eine scharfe Linkskurve, ich bremse, mein Hintermann nicht. Er brezelt mir ins Hinterrad und stürzt. Erst zuhause merke ich, dass bei mir Felge und einige Speichen defekt sind.

3 Minuten (!) nach Zielankunft gratuliert mir der SMS Ergebnisdienst zu Platz 27 Gesamt und Platz 7 AK. Ich musste doch schon staunen; meine beste Platzierung überhaupt...
Fazit: Immer noch ein feines Rennen, längst nicht mehr mit dem Schwierigkeitsgrad vergangener Jahre, aber gut organisiert.
Erwartungen hinsichtlich meiner Leistung hatte ich vorher keine und ging das Rennen entsprechend locker an. Vielleicht sollte ich das zukünftig immer so handhaben.

Bericht Philipp