La 21. Charly Gaul ( Lux, 2010)

La 21. Charly Gaul ( Lux, 2010)

Phantastisches Wetter, toller Parcours, fröhliche und begeisterte Radsportstimmung und schöne Krämpfe - alle waren Helden beim Charly-Gaul-Gedächtnisrennen in Echternach.

Update 8.09.2010; some pictures

Charly Gaul

Im Jahre 1949 begann Gaul mit dem Radsport. Die Profi-Karriere des „Engel der Berge“ genannten Bergspezialisten dauerte von 1953 bis 1965. Neben seinem Sieg bei der Tour 1958 erreichte Gaul 1955 und 1961 zwei dritte Plätze beim wichtigsten Radrennen der Welt. Er war der erste reine Kletterspezialist, der den Gesamtsieg errang. 1955 und 1956 gewann er außerdem den Preis des besten Bergfahrers. 1956 und 1959 siegte Gaul beim Giro d’Italia. Insgesamt erzielte er zehn Etappensiege bei der Tour de France und elf Etappensiege beim Giro d’Italia. Fünfmal wurde er zum "Sportler des Jahres" in Luxemburg gewählt. Im Jahre 1999 wählte ihn die luxemburgische Sportpresse zum Sportler des Jahrhunderts. (Wikipedia)

Mein persönliches Ereignis mit Charly Gaul kam überraschend im Jahr 2005. Zu meinem 2. Jedermannrennen war ich nach Luxemburg gefahren weil ich dort ein Rennen gefunden hatte. Morgens um 7.00 war ich der Erste bei der Ausgabe der Unterlagen. Ich fuhr mich warm und es war sehr kalt. 8.00 Uhr -  mir wurde noch kälter (4 Grad und kalter Wind)'. Dann fuhr ich zum Auto und zog mich warm an. 8.30 immer noch niemand da am Start. Dann war mir zu warm, Klamotten aus, an, aus... Als ich um kurz vor 9.00 in langer Hose ankam standen 900 Fahrer in der engen Straße im Ort Contern. Und ich kam von der Streckenseite.Kein Durchkommen nach Hinten. Da wies mich ein alter Mann nach vorne in die erste Reihe und keiner sagte was. Super. So startete ich ganz vorne und erlebte zum erstenmal wie 900 Mann auf den ersten Kilometern an einem vorbeikommen wollen. Trotzdem fand ich genial, das man dem alten Mann da so einfach ohne zu Murren folgte und diesen Anfänger in Startblock A lies. Aber Luxemburg ist halt nicht Deutschland und ich bemerkte auch später: Der alte Mann, der mich vorne hinstellte und dann den Startschuss gab war Charly Gaul gewesen. Seit dem bin ich jedes Jahr gestartet - ganz vorne.

Jedermannrennen in Benelux und Frankreich - Cylosportive

Aus meiner Sicht haben die Luxenburger und Franzosen einen sehr schönen und schlauen Zugang zum lizenzfreien Radsport gefunden, der auch in Deutschland super wäre.

Jeder kann mitmachen. So war es auch beim diesjährigen Charly Gaul. In den Vorjahren hatte man noch das kurze Rennen (B-Rennen über 100km) ausschliesslich für Fahrer ohne Luxemburgische Lizenz zugelassen und das A-Rennen allen freigestellt.

Das hatte zu Unmut geführt, weil die ausländischen Lizenfahrer starten konnten und auch Mountainbiker dabeiwaren. Kurzerhand hat man sich schlau dazu entschieden in Zukunft auch das B-Rennen für alle frei zu geben. So war es diesmal auch und das B-Rennen wurde von starken Belgischen Fahrern entschieden.

Bericht vom A-Rennen (160 bis 170km) 

Nach dem Rundstreckenrennen in Schwadorf am Abend war die Nacht nur kurz. Um 6.00 Uhr brach ich auf nach Echternach, das ist von Köln 160km entfernt. Das Wetter war unglaublich gut. 6 °C, ab und zu mal Nebelbänke ansonsten stahlblauer Himmel in der Luxemburgischen Schweiz.

Um 8.00 war es sehr ruhig an der Anmeldung. 8.30 stand noch niemand am Start. Aber das kannte ich schon. Um 8.55 kam ich nach vorne und alle waren da. Ich stellte mich nach vorne und sah, das das Feld aus sehr starken und erfahrenen Radsportlern aus NL, B, Lux und aus Frankreich bestand.

Dann kam es wieder, das Luxemburgische Lied vor dem Start bei dem keiner mehr Ernst bleiben kann. Ich weiß nicht was es bedeutet, aber die Musik, der Gesang und wohl auch der Text ist so lustig, das alle Lachen müssen und entspannt ins Rennen gehen.

Diesmal gab es einen besonders kleinen Transponder, den man unten an der Gabel mit einem Plastikstreifen fest ratschen sollte. Sehr elegant aber es gab wohl massive Probleme mit der Messung. Ich hatte den Transponder ganz unten an der Gabel angebracht und bekam später eine Zeit.

Dann gings los. Aus Echternach heraus fuhren wir diesmal direkt leicht ansteigend heraus. Nach den ersten 15km hatten wir fast 300 Höhenmeter hinter uns. Der Kaltstart sorgte für ein echtes Ausscheidungsfahren (wie beim Schleizer Dreieck) und praktisch keinen einzigen Sturz. Nach 5km hatten wir die erste schwere Steigung hinter uns und konnten die Spitze nur noch entfernt vor uns sehen. Kurze Abfahrt und dann nächste Steigung auf dem offenen Feld mit Wind von der Seite. Dann war ich in der zweiten oder dritten Gruppe gelandet und die Spitze war weg. Hinter uns hatten Hunderte den Anschluss verpasst. Bis zur vierten Steigung füllte sich unsere Gruppe zu 30 starken Fahrern, die aber fast alle hinten drauflagen.

Nun ging es über 19km den Berg herauf. Er war gut mit 30km/h hoch zu fahren. In der folgenden Flachpassage war es noch extremer mit den Bergfahrern. Niemand wollte Tempo machen. Sowas kann ich gar nicht ertragen und das rächte sich natürlich an Groesteen. An dieser Rampe attackierten dann die Bergsportler und die die Gruppe wurde in ihre Bestandteile zerlegt. Ich musste dank meiner tollen Führungsarbeit mit 36/27 hochfahren und kam Oben gerade so an, das ich in der nächsten Gruppe gelandet war. Nun ist die Steigung mit 4 Sternen ausgezeichnet, und ich hätte wohl auch ohne Führungen große Probleme bekommen, aber man kann daraus nur lernen.

Danach ging es permanent bergauf und bergab. Eigentlich waren 11 Steigungen angegeben. Das Profil war aber dermaßen hügelig, das man nicht mehr zur Ruhe kam. An der 7. Steigung musste ich die starken Fahrer aus meiner Gruppe noch mal ziehen lassen weil ich "Rivella" an der Verpflegungsstelle brauchte und kurzt anhalten musste.

Dann kamen die letzten 60km. Ich fuhr gegen 4 Holländer, die an den Steigungen immer wieder anzogen und dann in den Abfahrten Zeit verloren. Das war mein Glück.

Wenn der eine mal ruhiger wollte, dann attackierte der andere Holländer wieder am Berg und der einzige, der immer als Letzter Oben ankam war Frank die Bombe aus Köln, verdammt.

Dann schoß ich wieder den Berg herunter und die "Kölner Rakete" zog je nach Abfahrt und Gelände immer wieder direkt an der Holländischen Mannschaft vorbei. Dabei verloren wir tatsächlich einige Jungs. Also bergauf waren sie stark aber bergab ließen sie sich vom permanenten Gegenverkehr den Schneid abkaufen.

So gings weiter und ich erreichte mit nur noch 2 Holländern die 11. Steigung. Wir fuhren mit 38km/h die letzten 20km und es kam keiner mehr von hinten auf. Dann holten wir noch eine starke Bergfahrerin (Mariska Breyne , Ledegem, BEL) ein, die ungefähr so wie Verena Weiser fährt. Im Flachen war sie gerade noch in der Lage us zu folgen, aber sie kam mit und siegte so im A-Rennen.

Zur Leistung der Frauen im Jedermannsport

Es gibt natürlich ganz unterschiedliche Fahrertypinnen. Aber durch den direkten Vergleich kann ich die Leistungen der Frauen ganz gut bewerten. Am Beispiel der Bergfahrerinnen könnte man zum Beispiel Verena mit Marislka ganz gut vergleichen. Am Berg ziehen sie an einem locker vorbei und im Flachen hat man gute Chancen sie wieder einzuholen. Vielleicht treffen sich die beiden mal in einer Steigung und wissen dann schon etwas voneinander :)

Nach 170km nun das kleine Jedermann-Finale.

.......Ich gewann das kleine Finale trotz Krämpfen und schickte Holland nach Hause (zu diesem Zeitpunkt war Jean-Charles Martin (F) schon seit 40 Minuten im Ziel).

Allerdings muss ich zugeben, das die beiden Jungs eigentlich viel stärker fuhren und ich eigentlich schon bei km- 160 fertig war. So lange war die Renndistanz angegeben, dann wurden es aber fast 170km und die Krämpfe kamen. Mit stolzer Brust ging ich durch jede Führung und grinste beim Abwechsel dümmlich bis relaxt, damit keiner was merkte von den Krämpfen. Der Sieg glückte mir im Guerillakampf gegen Autos und Geländer kurz vor dem Ziel weil die anderen wohl nicht ganz so reinhielten wie ich. Durch die vielen Rundstreckenrennen, die ich dieses Jahr gemacht habe, war es aber ein Leichtes für mich praktisch dem Polizisten zwischen den Beinen durchzufahren und ohne Bremsen übers Ziel zu fahren. Der arme Mann hatte einen Job. Er musste eine Schlange von Autos, die auf unserer Straße ganz ihren Sonntagsausflug unternahmen 50m vor dem Ziel nach linkes ableiten, damit sie nicht direkt über die Ziellinie fuhren. Die einschiessenden Sprinter mussten rechts ab.

Das war vielleicht noch eine weitere Besonderheit gewesen. Praktisch von Beginn an war der normale Straßenverkehr ein permanenter Begleiter. Fast keine Abfahrt, wo hinter der Kurve kein Gegenverkehr kam. Daran gewöhnt man sich aber schnell und es geht - so wie alles, wenn man sich nicht so aufregt und ein bischen Instinkt hat.. 

So war ich froh nach 170km doch die Holländer nach Hause geschickt zu haben und ich unterhielt mich mit den Jungs im Ziel. Offensichtlich war ihnen klar gewesen, das ich besser abfahren und sprinten konnte. Deshalb hatten sie so mörderisch am Berg auf die Tube gedrückt - aha. Wär ich mal langsamer den Berg runter, dann wärs auch leichter bergauf geworden...Ich bin beeindruckt von den Bergqualitäten der Fahrer aus den Niederlanden. Das Gelände rund um Valkenburg scheint wohl besser zu sein für Bergfahrer als man meint.

Siegerehrung

Die Ergebnisse hier

Auf der Liste war ich mit 5 Stunden und 13 Minuten Platz 122 und damit 40 Minuten hinter dem Sieger.

Bei so einer Steigung zu Beginn erfolgt natürlich eine harte Selektion und man muss dann 160km mit Nachzüglern im Wind fahren. Das kostet unheimlich viel Zeit. Und es sagt etwas über das Profil der Strecke und das Niveau der Fahrer aus. Auch habe ich festgestellt, dass man bei schlechtem Wetter bessere Resultate erzielt. Das liegt wohl daran, das die Guten Jungs zu Hause bleiben, wenn es regnet - in Luxemburg.

Das Kulturelle 

Was macht die Radsportkultur in Luxemburg für einen ausländischen Betrachter aus. Zum Beispiel, wie man mit seinen Spitzensportlern umgeht. Diese erscheinen wmir akzeptiert und angesehen.

So nahm die Familie von Charly Gaul die Ehrungen der Sieger vor.

Das größte Team, mit 27 Fahrern, wurde geehrt. Es ist das Charly Gaul Team aus den Niederlanden...Multi-Kulti-Event.

Außerdem waren Gilberto Simoni und eine italiennische Delegation anwesend und sie sprachen zum Publikum. Gilberto organisiert die andere Charly-Gaul-Gedächtnisveranstaltung im Trentino und er hatte auch am B-Rennen teiilgenommen. Dort soll er ganz entspannt mitgerollt sein und Jemandem noch am Start beim Beheben einer Panne geholfen haben. Kim Anderson, der das neue Lux-Profiteam leiten wird, war auch vor Ort. Die sportlichen Leistungen beider wurden ausführlich genannt und herzlich beklatscht. Man konnte spüren, das ganz (Rad-) Luxemburg mit dem neuen Team mitfiebert und nicht so ein Bruch zwischen den Profis, Amateuren und Jedermännern besteht wie bei uns.

Es kann eben Jeder mitmachen - wie angenehm.

Frank